Wenn der Hahn einen Hangover hat

Old fashioned
Old fashioned

Liebe Freunde der Esskultur, wir verzögern das Finale unseres Tarantino Menüs zu Gunsten eines besonderen Feiertags. Ein Feiertag, der zu wenig Beachtung findet und oft von anderen Anlässen in den Schatten gestellt wird. Richtig, es handelt sich um den Tag des Cocktails. Zwischen den Jumbo Cocktails zur Happy Hour bei einschlägigen Barketten bis hin zu geschmacklich ausgefeilten Drinks, die mehr kosten, als das Hauptgericht, findet sich irgendwo die Identität der Cocktails, der beliebtesten alkoholischen Mixgetränke der Welt. Oder sollte man sagen, dass es sich um die Identität der Trinkenden handelt, die sich offenbart? Man betrachte nur einmal die Namen. Es gibt Cocktails wie den Singapore Sling, die nach Städten benannt sind, der Bellini beruft sich tatsächlich auf den venezianischen Renaissance-Künstler und es gibt genug Cocktails, die nach Hunden benannt sind, um damit eine Tierschau zu veranstalten, inklusive süßem Zwergspitz (Pomeranian). Cocktails repräsentieren viel mehr uns, die wir sie trinken, als sich selber. Das ist Anlass genug, um am heutigen Tage den godfather of cocktails zu beleuchten, eine Charaktermischung, die es vermag, sich selbst für einen Abend komplett zu vergessen.

Es war in den USA der 50er Jahre, in einer Zeit, als Alkoholismus noch kein Laster und das Rauchen noch nicht strafbar war, als viele Vorstadtbewohner am Morgen das Bedürfnis nach einem Muntermacher verspürten, der sie nicht direkt wieder in die Kissen drückte. Und so mixte man Medizin mit Zucker und Alkohol und lies die Aromen sich im Schmelzwasser von Eis entfalten. Richtig, Cocktails (Hahnenschwänze) waren einmal sanfte Morgendrinks. Unser heutiger Kamerad gilt unter den Drinks von heute wohl kaum als sanfte Alternative und dürfte zu den stärkeren Geschützen zählen. Der Old Fashioned erlebt, nicht zuletzt dank Don Draper aus der Serie Mad Men, ein Revival und zeigt, dass er gar nicht von Gestern ist. Viel eher ein Gentleman, der sich eine Weile zurückgehalten hat, um nun wieder einmal in aller Munde zu sein. Er ähnelt vom Konzept her dem Whiskey Sour oder dem Gin Tonic, die auch mit wenigen Zutaten und kräftigen Aromen überzeugen. Und doch ist er einzigartig. Kein anderer Drink greift die Aromen des Whiskey so gekonnt auf und projiziert sie, ohne sie zu verfälschen. Dabei helfen Angostura, ein Bitter, der an Medizin erinnert, aber dem Drink eine unverwechselbare Milde verleiht, ein Zuckerwürfel und das tropische Aroma von Orangenzeste. Wobei diese nachweislich erst später dem Drink hinzugefügt wurde und streng genommen optional ist.

Zutaten

  • 6cl Rye oder Bourbon Whiskey
  • 3-4 Tropfen Angostura Bitter
  • Zuckerwürfel
  • kleines Stück Orangenzeste
  • Eiswürfel
  • Whiskeytumbler

Legt den Zuckerwürfel in die Mitte des Glases und träufelt 3-4 Tropfen Angostura auf ihn. Jeglicher Alkohol wurde noch lange als Medizin angesehen, was nicht heisst, dass dieser Drink mit Klosterfrau Melissengeist zubereitet werden sollte. Messt nun den Whiskey ab. Wenn ihr eine größere Komplexität erwartet, empfehlen wir Bourbon, der Kirsch und Vanillearomen transportiert. Wir empfehlen Basil Hayden’s oder Blantons. Rye Whiskey ist etwas „männlicher“ und der Drink gestaltet sich etwas unaufgeregter und simpler, was aber durchaus seinen Reiz hat, da der Drink dadurch geschmacklich sehr klar wird. Sparfüchse nehmen Jim Beam, wir empfehlen Bulleit.  – Scotch sollte man nicht mischen. Niemals. – Löst also nun den Zuckerwürfel im Whiskey durch Rühren auf und füllt das Glas mit Eiswürfeln bis oben hin auf. Nun müsst ihr dem Drink etwas Zeit gönnen und durch sanftes Rühren die Eiswürfel ungefähr eine Minute lang anschmelzen lassen. Eventuell noch 2 Eiswürfel am Ende hinzufügen und die Orangenzeste einrühren.

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