Kirschen in der richtigen Reihenfolge

Kirschmuffins

Neulich habe ich einen teils humorösen, teils fragwürdigen Artikel darüber gelesen, wie die Österreicher uns Deutsche angeblich sehen und was sie am meisten an uns stört. Wie könnte man auch um das Klischee herumkommen, war ganz oben auf der Liste die scheinbar übertriebene Korrektheit und Genauigkeit.

Zugegeben, ich habe mich auch schon öfter darüber geärgert, dass gerade öffentliche Einrichtungen manchmal undurchsichtigen Regelungen unterstellt sind, die Prozesse aus mancher Perspektive nur unnötig in die Länge ziehen und verkomplizieren. Sicher gingen manche Abläufe schneller und einfacher mit genau dem gleichen Ergebnis, wenn man sie mit einer gewissen Laissez-faire Einstellung anginge. Ich höre gerade innerlich meinen ehemaligen Orga-Professor über Wasserkopf-Organisationen referieren…. Andererseits gibt es aber auch Bereiche und Anlässe, bei denen man gut daran täte möglichst genau zu sein und sich streng an gewisse Regelungen zu halten oder Dinge frühzeitig vorauszuplanen, um später keine bösen Überraschungen erwarten zu müssen.

Kochen und Backen würde ich in diesem Sinne als Hybrid bezeichnen: Einerseits sollte es Spaß machen und Raum für Kreativität und eigene Interpretationen bieten. Andererseits gibt es Grundschritte und Abläufe bei gewissen Gerichten, die man tunlichst befolgen sollte, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Ganz banal ist beispielsweise das Eischnee aufschlagen. Sollte in der Schüssel auch nur ein Hauch von Fett sein, weil sie nicht gut gespült wurde zum Beispiel, wird sich das Eiklar nicht dazu bewegen lassen zu einem fluffigen Schnee zu werden, egal wie lange man schlägt. Oder bei einem Soufflé. Wer die Neugier nicht im Zaum halten kann und nur mal kurz nachschauen will was die luftige Köstlichkeit da so im Ofen treibt, läuft Gefahr seinen Gästen später nur noch einen traurigen, eingefallenen Haufen servieren zu können. Von der Kugelfisch-Filetierung wollen wir hier erst gar nicht anfangen…

Was ich damit sagen will ist, dass es sich durchaus lohnt seine vorgefertigten Klischees einmal unter einem anderen Aspekt zu betrachten und seine Nachbarn die Chance zu geben ihr Verhalten etwas genauer zu erklären.  Und was könnte man besser zur Völkerverständigung eingesetzen als Essen?

Wir probieren es also mal mit kleinen, saftigen, schokoladigen und fruchtigen Kirschmuffins, bei denen es zwar nicht so zwingend auf die unten beschriebene Reihenfolge ankommt wie bei beispielsweise einem Marmorkuchen (der nebenbei bemerkt wirklich unglaublich saftig wird, wenn man die Eigelb einzeln zur Masse gibt und jedes eine komplette Minute lang einrührt – aber das ist wieder eine andere Geschichte), aber die Grundregel zuerst Butter und Zucker schaumig zu schlagen und danach die trockenen und ggf. weiteren Zutaten unterzurühren, sollte bei jedem Backen berücksichtigt werden, um auf ein lockeres und zugleich saftiges Ergebnis zu kommen.

Also liebe Österreicher: einfach mal ausprobieren 🙂

Zutaten:

  • 260g Mehl
  • 2 ½ TL Backpulver
  • ½ TL Natron
  • 3 El Kakao
  • 150g Zartbitterschokolade
  • 2 Eier
  • 100g Zucker
  • 80g Öl
  • 200ml Milch
  • 1 Glas Schattenmorellen
  • Frische Kirschen zur Deko
  • Dunkle Kuvertüre

Rührt die weiche Butter und den Zucker schön cremig. Gebt die beiden Eier dazu und rührt noch eine weitere Minute. Nun mischt ihr in einer zweiten Schüssel Mehl mit Backpulver, Natron und Kakao und stellt die Mischung bereit. Unter Rühren gebt ihr jetzt abwechselnd etwas von der Mehlmischung, etwas Milch und etwas Öl zur Creme, bis alles aufgebraucht und der Teig weiterhin schön cremig ist. Währenddessen können die Schattenmorellen schonmal abtropfen; den Saft brauchen wir nicht mehr (es sei denn ihr nehmt anstatt der Kuvertüre zur Verzierung lieber Zuckerguss – den könnt ihr dann mit dem Kirschsaft anrühren). Zuletzt hackt ihr die Schokolade noch klein und gebt sie zusammen mit den Schattenmorellen unter vorsichtigem Rühren zum Teig. Mit dem Teig füllt ihr nun eure Muffinförmchen ungefähr zur Hälfte (ich habe so 20 Stück rausgekriegt) und lasst sie bei 160°C Ober-/Unterhitze ca. 20-25 Minuten backen. Bei Unsicherheit lieber öfter mal mit der Stäbchenprobe testen! Bei mir hat es ein klein wenig länger gedauert. Lasst sie danach ca. 30 Minuten auskühlen, bevor ihr die Kuvertüre oder den Guss drüber gebt und eure Muffins mit einer schönen frischen Kirsche dekoriert.

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