Grüne Soße

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Der Frühling lässt auch hier in Oberschwaben, wo ich gerade Heimaturlaub mache, auf sich warten. Die Krokusse und Maiglöckchen stemmen sich gegen eine hartnäckige Schneeschicht und die Sonne strahlt immer mal wieder durch die Wolkendecke. Und auch ich wehre mich gegen den scharfen Ostwind. Da in etwas mehr als zwei Wochen die Landtagswahl in BaWü ansteht, schlich sich auch in mein verschlafenes Riedlingen die AfD. Und obwohl die Veranstaltung erst vier Tage zuvor beworben wurde, womit sich die AfD keinen Gefallen tat, versammelten sich über 200 Riedlinger, um gegen die braune Soße zu protestieren, die in der vom Hausrecht beschützten Gaststätte serviert wurde.

Das Problem aller nationalistischer Bewegungen ist, dass sie sich immer nur einen Teil der Kultur des Landes auf die Fahne schreiben und das dann komplett für sich vereinnahmen. In Deutschland gibt es sehr viele Soßen und gab es schon immer. Das liegt zum einen an der zentralen Lage dessen, was wir seit ein bisschen mehr als hundert Jahren als Deutschland benennen. Davor kochte jeder in den Herzogtümern sein eigenes Süppchen und nahm dabei gerne alles, was ihm von außen herangetragen wurde. Arabische Händler aus Spanien hatten bereits früh ein beeindruckendes Handelsnetz aufgebaut, das auch Köln, Nürnberg und Mainz an die Seidenstraße anschloss. Der Reisende und Gelehrte Ibrahim ibn Ya’qub staunte nicht schlecht, als er im 10. Jahrhundert in Mainz Gewürze schmeckte, die nur in Indien wuchsen, wie zum Beispiel Ingwer, Galangal, Pfeffer und Nelken. Viele dieser Zutaten sind heute selbstverständliche Bestandteile von brauner Soße, welche wiederum ja dann auch ein Produkt von frühem Multikultiwahn wäre. Und das seit dem 10. Jahrhundert, Frau Merkel wie lange noch? Das selektive Weltbild von Nationalisten ist nicht daran interessiert, wie die Lebensweise zustande gekommen ist, die sie vor jeglichem Wandel beschützen wollen.

Viele bemängeln an den Vorzeigedeutschen, dass sie sich nicht mal mit Goethe auskennen. Das mache ich auch, deswegen werde ich etwas abschweifen. Goethe war Schriftsteller, Poet, Botaniker und allem voran Gourmet. Auf seinem Speiseplan standen holländischer Hering, deutscher Spargel, Teltower Rübchen und heiße Schokolade, die damals so exotisch war wie heute Quinoa. Auf seinen Reisen durch Italien faszinierte ihn auch der Botanische Garten in Padua, was darauf schließen lässt, dass Goethe gerade das Neue, Fremde und Aufregende suchte. Natürlich war er Mann und Mythos und so wurde ihm zugeschrieben, Grüne Soße sei sein Leibgericht gewesen. Das wäre natürlich praktisch, wenn der Enkel eines der angesehensten Frankfurter Bürger das hessische „Nationalgericht“ geliebt hätte. Allerdings gibt es dazu nirgends einen Anhaltspunkt und da Goethe sehr genau dokumentierte, was ihm schmeckte und sogar ein Kochbuch anregte (Geist der Kochkunst, Karl Friedrich von Rumohr), gibt es berechtigte Zweifel an seiner Vorliebe für die erfrischende Soße. Eines aber ist sicher, die braune Soße, die sich heute wieder ansammelt, würde ihm nicht schmecken. Alleine des Essens wegen müssen wir mehr so sein wie Goethe und Neuem mit Interesse begegnen, das Alte aber in seiner Komplexität würdigen.

Zutaten

  • 1 Becher Schmand (Joghurt oder saure Sahne gehen auch)
  • 4 hartgekochte Eier
  • Prise Salz, Pfeffer, Zucker
  • 150g gemischte frische Kräuter (Kerbel, Borretsch, Dill, Petersilie, Pimpernelle, Kresse, Liebstöckel, Schnittlauch, Sauerampfer)
  • 3EL Weinessig
  • 2TL scharfer Senf
  • 1/8 l Öl

Die Eier schälen und das Eigelb vom Eiweiß trennen. Das Eigelb mit einer Gabel zerdrücken und mit Senf, Weinessig und Öl zu einer glatten Masse verrühren. Den Schmand dazugeben. Die Kräuter waschen und gut trockentupfen, dann ganz fein hacken und mit der Masse vermischen. Das Eiweiß fein hacken und unterheben. Schmeckt hervorragend zu Eiern, Salzkartoffeln, Tafelspitz, Spargel aber auch zu Fisch.

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