Mexican Border Menu

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Mit Tarantino Filmen ist es wie mit den größten Delikatessen: die einen halten sie für eine Offenbarung während andere von einer Sauerei sprechen. Sue und ich zählen uns zu ersteren und hoffen, dass wir mit den nächsten Leckerbissen auch den einen oder anderen Zweifler über den kulinarischen Nerv zum Tarantinismus bewegen können. Die nächsten Wochen soll es ein Tarantino Menü in drei Gängen geben, komplett mit Getränk. Wir wollen noch nicht zu viel verraten, aber es wird keine leichte Kost werden, so viel ist klar.

Mexican Border Menu

Auch wenn Tarantino ihn für seinen schwächsten Film hält, liefert Death Proof uns einen absoluten Klassiker. Und damit sei einmal nicht Kurt Russel gemeint oder der legendäre 1970er Chevy Nova, sondern die Nachos, die Stuntman Mike in der Mexiko Bar in Texas bestellt. Ein Tex-Mex Pflichtgericht für Desperados und Delinquenten, die auf der Flucht vor dem Gesetz Richtung mexikanischer Grenze sind.

Genau das Richtige für Typen wie die Gebrüder Gecko, die nach einem Banküberfall in das legendäre „Titty-Twister“ Trucker Lokal geraten und dort von einer Horde blutdurstiger Vampire, allen voran der scharfen Salma Hayek als Santanico Pandemonium, empfangen werden. Mindestens genau so scharf sollten die Jalapeños auf den Nachos sein. Zur Abkühlung wird ein in Deutschland wenig bekanntes Getränk serviert, das Richard, der perverse Sexualverbrecher mit Wahnvorstellungen, in der Serienversion von „From Dusk till Dawn“ besingt: „(…) diese leckere Erfrischung. Mit Reis, Zimt und Milch.“ Ja, Tarantino und Rodriguez sind nicht Shakespeare, aber was kann der einem schon von Mexiko erzählen?

Horchata (6 Gläser)
-100g Langkornreis
-Zimtpulver
-Vanilleschote
-Milch nach Geschmack
-kleines Stück Limettenschale
-Zucker nach Bedarf

Diesen Drink sollte man als verantwortungsvoller Krimineller schon früh nach dem Aufstehen vorbereiten und nebenbei einen Becher Gourmet-Scheisse trinken, während zwei entfernte Bekannte eine Leiche vorbei bringen und die eigene Frau…ach ihr wisst schon. Bitte gemütlich zum Schrank schlendern, dabei pfeifen, einen Topf auf einen Tisch stellen, den Reis hineingeben und mit 500 ml lauwarmem Wasser auffüllen. Schon habt Ihr euch eure erste Pause des Tages verdient. Die Horchata darf nämlich bei Raumtemperatur zugedeckt 3 Stunden oder mehr (mehr ist definitiv besser) den Reis aufweichen und ihm den Geschmack entziehen. Wenn man zurück von der Arbeit ist, ein sauberes (!) Tuch über einen Topf halten und den Reis dadurch filtern. Hier kommt der Teil, wo die Frauen den Männern wieder ihre Grenzen aufweisen dürfen. Denn der Reis im Tuch will „ausgewrungen“ werden und da stellen sich Frauen für gewöhnlich besser an. Die Reismilch kann man nun noch etwas aufmotzen indem man Milch hinzugibt, ist aber nicht Pflicht. Von 50:50 bis 1:4 ist jedes Mischverhältnis interessant. Nun nur noch den Zimt und die abgeschabte Vanille einrühren, die Limettenschale hinzugeben und im Kühlschrank auf Erfrischungstemperatur abkühlen lassen. Für alle, die es süß mögen, Zucker hinzugeben. Auf Eis servieren.

Nachos mit Guacamole (Für 1 Ausgehungerten oder 2 Komplizen)

– Tortilla Chips
– Cheddar
– Gouda
– Eingelegte Jalapeños
– 1 Avocado
– Cumin
-Saft einer Limette
– 1 Zehe Knoblauch, kleingehackt
– 1 Tomate, gewürfelt
– Salz, Pfeffer
– frischer Koriander

Den Ofen auf 120° Umluft vorheizen. Derweilen die Avocado längs durchschneiden, die Klinge einer Machete (oder Messer…) in den Kern der Avocado schlagen, einmal drehen und herausziehen. Den Kern vorsichtig vom Körper weg von der Klinge drücken. Die Avocado auslöffeln und mit einer Gabel grob zerdrücken. Den gehackten Knoblauch, geschnittene Jalapeños, einen halben Teelöffel Cumin, die Tomatenwürfel und etwas gehackten Koriander hinzugeben und gut umrühren. Den Limettensaft hinzugeben und noch weiter rühren. Die Guacamole kann je nach Geschmack stückig oder sehr cremig sein. Individualität siegt!

Bei den Nachos kann man mehr falsch machen, als bei einem Verhör durch Jules Winnfield. Supermarktware von Doritos und Chio lässt sich absolut nicht empfehlen, da diese erst einmal nichts mit Tortilla Chips zu tun haben und zum zweiten das Geschmackspulverzeug im Ofen verbrennt. Wenn möglich sucht einen Mercado de Mexico auf, dort findet ihr Tortilla Chips wie beim guten Mexikaner. Wenn das nicht möglich ist, weil ihr zum Beispiel irgendwo in der Wüste wohnt, dann nehmt die Edeka Hausmarke, die sind ganz ok. Der nächste Fehler passiert beim Käse. Nehmt noch einmal geriebenen Käse und ich zitiere euch Hezekiel 25,17! Geriebener Käse schmilzt schlechter, da er mit Stabilisatoren behandelt wurde, weil er sonst beim Transport wieder zu einem Klumpen werden würde. Auch Scheibenkäse ist meistens damit behandelt. Also kauft euch jungen Gourmet Cheddar am Stück und jungen Gourmet Gouda und reibt ihn selber. Ihr werdet sehen, es ist sogar billiger als Streukäse. Drittens das Schichten. Versucht mit Winston Wolf ähnlicher Präzision Lage um Lage Käse mit Chips abzuwechseln, um langanhaltenden und befriedigen Genuss zu erreichen. Am besten nehmt ihr zum drauf stapeln eine dreifach übereinander geschlagene Alufolie extrastark und knickt die Ränder ein, da die reflektierte Hitze die Kernschmelze vorantreibt. Danach macht die meiste Arbeit der Ofen. Nach ugf. 10 Minuten sollte der gesamte Käse geschmolzen sein, das variiert aber stark nach Menge und Schichtqualität. Faustregel, wenn der Käse ganz oben Blasen wirft, dann ist die Mitte geschmolzen.

Jetzt sucht ihr euch nur noch euren Lieblingstarantino (Rodriguez) aus dem Regal, wir empfehlen Death Proof oder From Dusk till Dawn und esst Nachos als gäbe es kein Morgen. Falls das zu einer versauten Inneneinrichtung führt, macht nichts, Marsellus zahlt für eine Eichengarnitur.

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